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In your Head - Der Club der 99

Es war einmal ein König, der hatte einen furchtbar gutgelaunten Diener. Der König war eher ein grummeliger Mensch und verstand einfach nicht, wie sein Diener mit so einer guten Laune durch den Tag ging. Eines Tages fragte der König den Diener: „Sag, warum bist Du immer so gut gelaunt?“ Der Diener antwortete geschwind: „Warum denn nicht? Ich habe Frau und Kind, einen guten Job und eine kleine Hütte. Mehr brauche ich im Leben nicht.“ Der König konnte es nicht fassen, dass der Diener sich mit so wenig begnügte. Der König besaß viel mehr als er, aber ging viel missmutiger durchs Leben.
Der König lies den königlichen Berater zu sich holen und schilderte ihm sein Problem. Der König wollte nicht länger einen so gut gelaunten Diener – dies deprimierte ihn. Gerade morgens war ihm die gute Laune zu viel. Immerzu pfiff der Diener fröhliche Lieder. Der Berater saß eine Weile da und sagte schließlich zum König: „Ich brauche einen Sack voll Goldmünzen. Wir stehen morgen sehr früh auf, dann werde ich dem Diener seine gute Laune austreiben.“ Der König saß bedröppelt da und fragte: „Du willst ihm mit Gold seine Laune verderben? Du bist doch verrückt geworden. Aber na gut, ich vertraue Dir.“
Am nächsten Tag, ganz früh morgens, trafen sich die Beiden und liefen zum Haus des Dieners. Vor der Türe platzierte der Berater den Sack voll Goldmünzen und dann versteckten sie sich um das weitere Geschehen beobachten zu können. Der Diener verlies das Haus wie jeden Morgen sehr früh und stolperte fast über den Sack voll Gold. Er konnte sein Glück kaum fassen und nahm den Sack schnell mit in sein Haus. Dort schüttete er den Sack auf den Tisch und fing an seinen neuen Schatz zu zählen. Neun Türmchen a 10 Goldmünzen waren es schon. Dann kam das zehnte. Sieben, acht, neun, ze… doch da war kein zehntes Goldstück. Er suchte alles ab, aber da war keines. „Mit 100 Goldstücken könnte ich aufhören zu arbeiten. Wir hätten genug Geld bis an unser Lebensende. Hundert ist eine Runde Zahl, aber 99?“ Der Diener war ganz außer sich und schmiedete sofort Pläne, wie er die hundert Goldstücke zusammenbekommen könnte. Wie konnte ihm jemand 99 Goldstücke schenken. Warum gerade 99? Für ein Goldstück müsste er mindestens 20 Jahre lang sparen von dem Gehalt, das der König ihm zahlte. Er könne ja einen zweiten Job annehmen. Besser noch: Seine Frau könne sich einen Job suchen oder sein kleiner Sohn könne bei seinen Nachbarn aushelfen. Sie können von nun an nur noch Brot essen und auf das Sonntagsfleisch verzichten. Und so machte er sich den ganzen Tag Gedanken wie er nur dieses eine Goldstück zusammenbekäme. Am nächsten Morgen servierte er dem König wie immer sein Frühstück. Ohne ein Wort und ohne das übliche Pfeifen auf den Lippen stellte er es ab und verschwand. Er sah müde und zerzaust aus. Am darauffolgenden Morgen das gleiche, nur sah er noch müder aus, da er nun nachts einen Zweitjob ausübte. Als der König ihn frage wie es ihm ginge, pampte der Diener den König nur an: „Ach was weißt Du schon. Ich muss hart arbeiten um mir etwas zurücklegen zu können.“ Der König hatte schnell genug von der schlechten Laune des Dieners und feuerte ihn. Der Diener versuchte die folgenden Jahre die letzte Münze zusammenzusparen anstatt mit den 99 Münzen sein Leben zu genießen. Es gelang ihm nie…*

…und was hat das nun mit Dir zu tun?

Eine berechtigte Frage ist nun, was das mit Ernährung, Fitness und Deinem Körper zu tun hat. Jede Diät fängt grundsätzlich damit an, dass sich die Person nicht wohl in Körper fühlt. Grundsätzlich ist das auch in Ordnung, denn so wird ein Motiv, also das Warum, geschaffen. Wenn Du allerdings weiterhin von einem Ideal z.B. Modelmaßen getrieben wirst, wirst Du auf Dauer nicht glücklich werden. Du strebst, selbst bei Erfolgen, immer weiter nach neuen Traummaßen und wirst unzufrieden sein. Versteh mich bitte nicht falsch – es ist wichtig Ziele zu haben und dafür hart zu arbeiten, aber nicht auf Kosten Deines Lebens im Hier und Jetzt. Was nützt es Dir irgendwann Deinen Traumkörper zu haben, wenn du jahrelang unzufrieden und unglücklich gewesen bist. Das Leben ist dafür einfach zu kurz. Ich möchte damit sagen, arbeite an Dir und sei währenddessen einfach glücklich. Getreu dem Motto: Sei zufrieden, gib Dich nicht zufrieden. Wenn Du während Deinem Weg glücklich bist, hast Du viel mehr vom Leben und siehst diesen Weg nicht als Tortur an. Wäre der Diener mit den 99 Goldstücken glücklich gewesen hätte er trotzdem nach dem 100. Goldstück streben können – nur wäre er nicht verbittert und übel gelaunt durch die Weltgeschichte gelaufen.


Wir wollen immer eine Stufe mehr, als wir im Moment haben. Wir wollen eine größere Wohnung, ein dickeres Auto, mehr Gehalt und einen größeren Fernseher. Das ist auch in Ordnung, solange wir auch glücklich zufrieden sind mit dem was wir haben und wer wir sind. Wir brauchen Ziele, Wünsche und Visionen – leider vergessen wir dabei viel zu oft im Hier und Jetzt glücklich zu sein. Das ist auch der Grund warum so viele Diäten, Ernährungsumstellung und Sportanfänge scheitern. Weil wir einfach so unzufrieden mit unserer aktuellen Situation sind und nicht an uns glauben. Geh nun zum Spiegel und sag zu Dir: „Ich mag mich“ oder noch besser „Ich liebe mich“ und meine dies auch so. Das ist der erste Schritt, den Club der 99 zu verlassen.


Bleib gesund.


Dein Aron

 

*in Anlehnung an Jorge Bucay

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Kommentare: 2
  • #1

    Karin (Montag, 04 Dezember 2017 16:56)

    Wunderschön und soooo wahr��

  • #2

    Aron (Montag, 04 Dezember 2017 20:19)

    Dankeschön =) Es freut mich rießig, dass Dir der Artikel gefällt!
    Wenn Dir solche Geschichten gefallen, kann ich Dir von "Jorge Bucay: Komm, ich erzähl dir eine Geschichte" empfehlen. Ist ein richtig tolles Buch mit lauter Kurzgeschichten, die zum Nachdenken anregen.